OpenTechSummit und Wireless Community Weekend

Ein ereignisreiches langes Wochenende ist vorüber. Über Himmelfahrt war ich in Berlin und habe das lange Wochenende genutzt, den OpenTechSummit 2015 und das 11. Wireless Community Weekend zu besuchen.

2. OpenTechSummit

Der OpenTechSummit bringt die spannendsten Ideen und Macher der Open-Technology-Community in Berlin zusammen. Die Themen reichen von Open Hardware, über Enzyklopädien des freien Wissens, Software-Entwicklung und freie Netze bis hin zu Fragen über Copyright und Patente für Firmengründer.

Im Jahr 2009 fand schon einmal ein OpenTechSummit (OTS) statt, nämlich in Taiwan. In diesem Jahr ist der OTS nach Berlin in die Kalkscheune gekommen – dort hat auch schon die Re:publica ihren Anfang genommen.

Ausstellungshalle OpenTechSummit 2015
Eindrücke aus der Ausstellungshalle vom OpenTechSummit 2015

Anfangs befürchtete ich, dass auf Grund des Feiertags nur wenige Besucher und Teilnehmer kommen würden. Doch das zerstreute sich schon wenige Minuten nach Einlassbeginn. Mehrere hundert Menschen kamen und brachten ihre Kinder mit. Für Kinder wurde ein eigenes Workshopprogramm geboten, wo sie sich mit Software und selbstgebauter Hardware austoben konnten. Außerdem hatten sich mehr als 80 Speaker angemeldet und viele Workshops wurden angeboten. Die Keynote hielt Juergen Neumann, Mitgründer von freifunk.net und Organisator des ersten OpenTechSummit. Daneben gab es eine Menge Vorträge von hochkarätigen Speakern, unter anderem Lennart Poettering, dem Entwickler vom Systemd, Mitch Altman, dem Erfinder von TV-B-Gone und Martin Breuer aus Weimar, der sein Aquaponicsystem Plants&Machines vorgestellt hat. Insgesamt war das Programm sehr dicht, es war schwer, sich für den richtigen Vortrag zur richtigen Zeit zu entscheiden.

Ich war auch aktiv auf dem OpenTechSummit. Im Vorfeld habe ich den Freifunkstand mitorganisiert. Dort konnten sich Besucher über Freifunk informieren, Infomaterial bekommen und T-Shirts oder Comics mitnehmen. Außerdem konnten wir zwei Vertreter von TP-Link begrüßen. Sie haben neben einer Routerspende für die Freifunkcommunities neueste Geräte für OpenWrt-Entwickler mitgebracht. Wir konnten mit ihnen auch über neueste Entwicklungen sprechen und Wünsche an die Entwickler richten.

Strickmaschinenworkshop auf dem OpenTechSummit
Andrang zum Strickmaschinenworkshop

Freifunk war hier allerdings nicht mein Schwerpunkt. Ich habe einen Workshop zum Hacken von Strickmaschinen angeboten. Hier habe ich gezeigt, wie man eine Strickmaschine aus den 70er Jahren so umbaut, dass man sie mit Hilfe der AYAB-Hardware mit einem Computer verbinden kann. Dadurch eröffnen sich vollkommen neue Möglichkeiten für diese Maschinen: man kann nun beliebige Muster stricken und diese Muster viel komfortabler und einfacher direkt am Computer bearbeiten. Der Workshop war sehr gut besucht, es hatten sich schon im Vorfeld 25 Interessenten angemeldet. Am Ende waren wir so viele Leute, dass wir in eine andere, größere Ecke umziehen. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht und mich sehr gefreut, dass so viel Interesse daran besteht. Beim Google Summer of Code haben wir momentan Projekte am laufen, um die Software zu verbessern und gegebenenfalls auch andere Strickmaschinen zu unterstützen.

11. Wireless Community Weekend

Kaufland leergekauft
3 Wagen für ein WCW

Direkt nach dem OpenTechSummit fand das 11. Wireless Community Weekend in der c-base statt. In diesem Jahr hatten sich 70 Teilnehmer angemeldet, mehr als in den Jahren zuvor. Um für eine produktive und angenehme Atmosphäre zu sorgen hieß es zunächst, die kulinarische Versorgung sicherzustellen. Also haben wir uns am Freitag vormittag aufgemacht, die Grillvorräte im Kaufland leerzukaufen. Wir hatten Schwierigkeiten, alle Vorräte ins Auto zu bekommen. Am Ende ging aber alles gut, und zusammen mit dem 120 Burgern, die uns Ulf zubereitete reichten die Vorräte tatsächlich bis zum Sonntag Abend. Dank der vielen Helfer in der Küche und am Grill konnten viele köstliche Speisen zubereitet werden.

In diesem Jahr standen einige wichtige Punkte auf dem Plan: Initiierung des Freifunk Advisory Council, Vorstellung eines Memorandum of Understanding und Diskussionen über Kommerzialität. Diese Themen führten zu lebhaften, aber konstruktiven Debatten, die uns helfen, uns gegenseitig zu verstehen, die Vision von Freifunk wieder zu schärfen und die Idee zu stärken. Hier steckt noch viel Arbeit für die Zukunft drin, aber ein guter Anfang ist getan. Der Zusammenhalt zwischen den Communities ist dadurch gestärkt.

c-base Berlin
c-base von der Jannowitzbrücke

Natürlich kamen auch die rechtlichen und technischen Aspekte nicht zu kurz. In einer Videokonferenz erklärte uns Reto die neuesten Entwicklungen aus rechtlicher Sicht. Er ging dabei auf Vorratsdatenspeicherung und Störerhaftung ein. In Vorträgen und Workshops konnten wir außerdem NetJSON kennenlernen, hören, wir man einfacher Router flashen kann oder wie die freigewordenen Fernsehfrequenzen für Freifunk nutzbar gemacht werden. In der Nacht zum Sonntag wurde außerdem eine neue stabile Version von Gluon, einer Firmwarevariante für Freifunk, freigegeben. Viele Entwickler beschäftigten sich mit OLSRv2, dem Nachfolger des beliebten Routingdaemons OLSR, der uns seit Anbeginn gute Dienste leistet.

Das Wireless Community Weekend war für mich ein voller Erfolg. Ich konnte mit vielen Menschen in Kontakt kommen und reden und Gesichter mit Nicknames oder Emailadressen in Verbindung bringen. Voller Motivation bin ich vom WCW wieder nach Hause gefahren und hoffe, dass ich viele zum Chaos Communication Camp im August wieder zu treffen.

Über Andreas Bräu

Software Developer Freifunker

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